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Das Digitale Tool für Künstler

Das digitale Medium stellt eine Herausforderung dar, auf internationaler Ebene vielleicht weniger, doch im Kontext von Luxemburg mehr und mehr. Was bedeutet es, heutzutage in Luxemburg Fotografie und Digitalkunst zu machen? Ich verstehe hierbei unter Digitalkunst jedes Kunstwerk, das der Computer erworben, manipuliert, verarbeitet oder beeinflusst hat. Mein Verständnis von Digitalkunst bietet eine große Palette möglicher Erfahrungen an. Künstler erproben und wenden ständig neue Technologien an. Ich möchte dieses neue Medium fördern, vor allem hier in Luxemburg, dem Land, indem ich zur Zeit wohne.
 
Was gibt es über Luxemburg selbst zu sagen? Das Grossherzogtum hat gemeinsame Grenzen mit Belgien, Frankreich und Deutschland. Luxemburg's Bevölkerung beträgt weniger als eine halbe Million Einwohner. Es ist eins der kleinsten Länder der Welt, es nimmt Rang 175  von 194 unabhängigien Ländern ein, die Oberfläche beträgt etwa 2586 Quadratkilometer, das Land ist 82 km lang und 57 km breit. In diesem winzigen Land, in dem selbst die Fotografie als Kunstgenre noch nicht so ganz anerkannt zu sein scheint  (ihr Stellenwert liegt weit hinter der Malerei - vom Standpunkt des Galeristen und Kunstsammlers gesehen), Fotografie und Digitalkunst zu machen, gibt mir manchmal das Gefühl, wie einst die Pioniere das Neuland Sibiriens zu erobern. Aber vielleicht gefällt mir dieser Gedanke auch ein wenig? Es gibt viel zu tun, zu bewegen und zu errreichen. Mit jeder Ausstellung, jedem Kunstmarkt und jedem Open Atelier, erlebe ich, dass das Interesse und die Akzeptanz zunehmen, doch all die herrschenden Vorurteile (wie nachstehend beschrieben) verlangen einen ziemlich grossen "Push". Das digitale Medium stellt einfach eine Herausforderung für das traditionelle Verständnis und traditionelle Begriffe wie Kunstwerk, Publikum und Künstler dar. Das letzte Jahrzehnt war selbst für die USA mehr als provokant in seinem Bestreben, die Akzeptanz beim Publikum und der Kunstgemeinschaft zu gewinnen. Also muss ich vielleicht Im Falle Luxemburg auch noch etwas Geduld zeigen ... ?
 
Historischer Abriss: Über den genauen Beginn der Entstehung digitaler Kunst lässt sich streiten. In den Siebziger Jahren haben  Künstler begonnen, mit Computern zu experimentieren, was zur “Computerkunst”  führte. Farbe und Struktur konnte mit der digitalen Technologie geschaffen und manipuliert werden. Alle Arten kreativer Berufe, z.B. Maler, Fotografen, Drucker und Video- und Performance-Künstler begannen, mit Computer Imaging Technik zu experimentieren, die die Manipulation von Größe, Farbe und Struktur in einem Maße, das für physische Medien ungekannt und unausführbar ist, ermöglichte.
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Formen der Digitalen Kunst: Der Begriff Digitale Kunst ist ein Oberbegriff für eine Palette von künstlerischen Praktiken und beschreibt nicht nur eine spezifische Form. In einigen Fällen haben Künstler Werke geschaffen, die sich ganz deutlich durch die Unterscheidungsmerkmale digitaler Kunst  ausweisen; dagegen gibt es ebenso gut andere Werke, bei denen wir nicht entscheiden können, ob sie digital entstanden sind oder nicht. Digitale Technologie hat einen sehr großen Einfluss auf die Komposition von Musik und den Audiobereich. WordIQ Dictionary & Encyclopedia definiert Digitale Kunst als Kunst, die in digitaler Form (d.h. binär) mit Computer geschaffen wird. Der Begriff wird in der Regel auf Kunst beschränkt, die in nicht geringem Umfang per Computer verändert wurde; Textdaten und unaufbereitete Audio- und Videoaufnahmen werden gewöhnlich nicht als digitale Kunst betrachtet. Sie können allerdings Teil eines größeren Projektes sein, da der Computer lediglich Speichermedium oder  -werkzeug, das zur Schaffung des Werkes benutzt wird.
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Digitale Kunst kann rein computergenerierte Kunst sein, wie Fraktale ( schauen Sie sich hierzu die Fraktale von Mandelbrot an), oder sie kann eine andere Quelle heranziehen, wie z.B. ein gescanntes Foto oder ein Bild, das Vektorgrafik-Software benutzt oder per Maus oder Graphik-Tablett geschaffen wird. Die Verfügbarkeit und Popularität von Software zur Fotobearbeitung hat eine riesige und kreative Bibliothek an sehr stark veränderten Bildern hervorgebracht, die kaum noch einen oder gar keinen Hinweis auf das Original zulassen.  Durch die Benutzung von Pinseln, Filtern und Vergrößerern produzieren die sog. “Neographen” Bilder, die mit konventionellen Fototools nicht geschaffen werden können. Digitale Künstler können dagegen gescannte Zeichnungen, Gemälde, Kollagen oder Lithographien genauso gut manipulieren wie sie die oben genannten Techniken in kombinierter Form anwenden können. Darüber hinaus können Künstler ebenso viele andere Informations- und Programmquellen zur Schaffung ihrer Kunst benutzen.
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Geben wir es zu: Im März 2001 wird die Anerkennung Digitaler Kunst durch die Ausstellung des Whitney Museum of American Art’s: “Bitstreams: Die Erkundung der Bedeutung digitaler Technologie in der amerikanischen Kunst” deutlich. Wenige Monate später folgt das Brooklyn Museum of Art und präsentiert sein Digitales. Digitaldrucke sind heutzutage in den ständigen Kollektionen von Museen wie dem New York’s Metropolitain Museum of Art, dem Museum of Modern Art, dem Whitney Museum of American Art, dem Art Institute of Chicago ... zu finden.
 
Digitalkunst wurde und wird von vielen Seiten kritisiert. Warum bloß? Weil sie das neue Medium ist.  Dieses scheint eine Bedrohung zu sein, doch ist dies ein fataler Irrtum. Das neue Medium existiert nicht, um zu ersetzen, sondern um zu verbessern, wie es auch für die Erfindung von Papier, der Fotografie, dem Airbrush-System und einer endlosen Liste von anderen Tools vor uns und unseren Maschinen gilt. Grundlegende Frage ist, ob technische Methoden, die Automatisierung inbegriffen, den Wert kreativer Arbeiten verringern? Wir denken, das dem nicht so ist. Werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit: Michelangelo arbeitete mit Teams von Assistenten, dasselbe gilt für Leonardo daVinci. Maler wie Caravaggio, Ingres, Velasquez und Vermeer benutzten ein System von Linsen einer „camera obscura“ oder einer „camera lucida“, um die Phase der Entwurfszeichnungen ihrer Gemälde zu beschleunigen. In diesem Zusammenhang liefert David Hockney in seinem Buch “Secret Knowledge: Rediscovering the Lost Techniques of the Old Masters » ein solides Argument, dass nämlich Künstler mit Begeisterung Linsen und Spiegel (höchstes Hightech ihrer Epoche) benutzt haben. Hockneys Buch führt den Menschen vor Augen, dass Technologie schon immer eine bedeutende Rolle in der Kunst spielte. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass “der Computer alles für Sie tut”. Der Computer und andere digitale Tools sind genau das, was der Begriff ausdrückt – Tools - Werkzeuge. In den Händen eines begabten Künstlers steht der Computer einem Pinsel, Spachtel oer einer Palette nicht im geringsten nach. Tatsache ist, dass die Hand des Künstlers in den Enstehungsphasen von Digitalkunst das entscheidende Element ist.  Auch wenn die Künstler Kameras, Scanner, digitales Tablett und einen ganzen Set von bildbearbeitender Software verwendet, haben sie eine persönliche Beziehung zu ihren Bildern, da sie sie durch die verschiedenen Stadien der Schaffung, Manipulierung und des Druckens leiten.  Die ästhetischen Entscheidungen sind und bleiben die des Künstlers. Dem Künstler stehen allerdings eine Reihe von Techniken zur Verfügung, um seine Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Ausgenommen Maschinenkunst, handelt es sich hier ganz und gar nicht um mechanische Kunst, wir haben es mit Bildern zu tun, die aus dem Geist und der Seele des Künstlers entstehen. Und es ist "fun", damit zu arbeiten und Kunst soll ja auch (u.a.)  "fun" sein und Fun bereiten!
 
Quellen: WordIQ Dictionary & Encyclopedia
Christiane Paul “Renderings of Digital Art”
Harald Johnson “Mastering Digital Printing”
David Hockney “Secret Knowledge: Rediscovering the Old Techniques of the Old Masters”

Comments
  • Kommentar von Nelly Rohel, Frankreich
    Ich bin damit einverstanden, was Sie über Digitalkunst darstellen. Es stimmt, der Computer und die Maus allein sind nur Tools wie es der Pinsel, die Leinwand, Collagen sind. Das Tool macht keine Kunst, wenn es nicht von der Hand eines Künstlers geführt wird….der es zu handhaben weiss und der, vor allem, eine kreative Seele hat.

    Aber die Schwierigkeit, dass Digitalkunst als Kunstdosziplin anerkannt wird, liegt nicht da.

    Eine Leinwand und ein Pinsel machen aus einem „Kunstwerk“ ein einziges „Original“.

    Ein PC und eine Maus machen ein „Kunstwerk“, doch können sie nach Belieben „Originale“ produzieren (nicht REproduzieren).

    Es scheint mir, dass die Meinung von Malern und Künstlern, die mit den digitalen Tools arbeiten, da auseinandergeht, wo es um die Herstellung der Originale geht.

    (FR: Originaltext in Französisch)

    • Je suis d'accord avec ce que vous exposez sur l'art digital. Oui, l'ordinateur et la souris ... ne sont que des nouveaux outils comme le sont un pinceau, une toîle, un couteau, des collages ... L'outil ne fait pas l'art si la main qui le tient n'est pas guidée par un artiste ... qui sait l'utiliser et surtout qui a l'âme créatrice.

    Mais la difficulté à faire reconnaître l'art digital comme une discipline artistique n'est pas là.

    Une toîle et un pinceau font une "oeuvre unique" en un "original unique".

    Un ordinateur et une souris font une "oeuvre unique" mais pouvant produire (et non REproduire) des "originaux à volonté".

    Il me semble que les désaccords entre les peintres traditionnels et les artistes utilisant les outils numériques se situent dans cette différence de la production d'originaux.

    by yellowcat - 09.02.2008 08:40:55
  • Nelly Rohel makes a good point but I disagree. I started thinking about these issues and I apologize to Nelly for expanding it beyond her critique. Everything starts with the original, but the original what? Why should a handmade art object have more value, per se, than a reproduced object. Although a painting is a unique piece of art, and a carved marble is a unique piece of art, much of the art that is shown and sold today are not unique pieces of artist fabrication. The process of manufacture in all areas expands and yet narrows our options in individualizing what we make. Walter Benjamin identified this desire for uniqueness as the "fetishized object". What that term means is that we worship the object, we idolize it. We imbue value to these objects because of commodity capitalism. The basis is individualism, romanticism, and the cult of genius. Art separated from the rest of the world and now lives in isolation.

    Objects that can be reproduced are not fetishized but can be owned by anyone. They are like information. If art can be equated with information, I do not want my information in the hands of a few wealthy collectors. I would rather my work be in the homes of ordinary people. Are photographs unique pieces of work? Every time we see a great photo printed, even in a newspaper, we can "get it", grasp that transformation of understanding. Why should our artistic identity be attached to works of art? In earlier times artists were not individuals but members of a collective and did not need to stand out to find their identity. Even in the era of great classicism, the paintings of Ateliers were often the work of a large workshop of painters under the direction of the master. Jeff Koons has never painted a painting or made a sculpture. He is a designer. He hires scores of artists at an hourly wage to paint or fabricate them. Warhols early pieces were copies of manufactured products. His later works were copies of copies. The silkscreen paintings that were misregistered to give the appearance of uniqueness. How about prints? Silkscreens, lithographic, copperplate, zincplate etc. It can be said that they are individual, but that is not true. Each print has to be perfect. The ones that are individual are often misprints and discarded.

    My position is that digital prints are the creation of a unique artist and not a unique object. The focus is not on object but the artist that made it. There is also a misunderstanding as to hijacking or photoshopping of images. There are forensic analysts now who can tell how any digital print has been constructed and altered by analyzing pixels. My friend, whose work is on this site, Peter Ciccariello, is a master of hyperrealism in digital prints. His work is fully digital. The images look ancient. When Gila Paris creates a digitally manipulated photograph it is not like my work at all. Compare them. It is the unique vision that creates the artwork. The media and vagaries of technique and application are interesting but totally subsidiary to the artist.

    by frank - 18.02.2008 09:45:07
  • Vorstehender englische Kommentar folgt hier in Übersetzung.

    Nelly Rohel bringt einen guten Punkt ein, doch bin ich nicht damit einverstanden. Ich habe angefangen, über die Problematik nachzudenken und ich entschuldige mich bei Nelly dafür, dass ich über ihre Kritik hinausgehe. Alles beginnt mit dem Original, aber dem Original von was? Warum sollte ein handgemachter Gegenstand per se wertvoller sein als ein reproduzierter Gegenstand? Obwohl ein Gemälde als Kunstwerk ein einziges Mal existiert und eine Marmorskulpur als Kunstwerk ein einziges Mal existiert, sind viele der Kunstwerke, die heute gezeigt und verkauft werden, keine einmaligen Werke einer Herstellung durch Künstler. Der Herstellungsprozess expandiert in allen Bereichen und engt dennoch unsere Möglichkeiten ein, das was wir machent, zu individualisieren. Walter Benjamin identifiziert diesen Wunsch nach Einzigartigkeit (uniqueness) als das “fetischierte Objekt“. Dieser Begriff meint, dass wir den Gegenstand verehren, wir machen ihn zum Idol. Wir impregnieren diese Gegenstände mit Wert aufgrund des Produktes Kapitalismus. Die Grundlage ist Individualismus, Romantizismus und der Kult des Genie. Kunst getrennt vom Rest der Welt und dem Jetzt lebt in Isolation.
    Gegenstände, die reproduziert werden, können nicht fetischiert werden, aber von jedem besessen werden. Sie sind wie Information. Wenn Kunst mit Information gleichgesetzt wird, möchte ich meine Kunst nicht in den Händen weniger wohlhabender Kunstsammler wissen, ich ziehe vor, meine Arbeiten im Zuhause von Durchschnittsmenschen zu sehen. Sind Fotos einmalige Stücke? Jedesmal, wenn wir ein grossartiges Foto sehen, selbst als Druck in einer Zeitung, können wir es bekommen, wir können jene Veränderung des Verstehens erfassen. Warum sollte künstlerische Identität an den Kunstwerken festgemacht sein? In früheren Zeiten waren Künstler keine Einzelpersonen, sondern Mitglied eines Kollektivs und mussten nicht heraustreten, um ihre Identität zu finden. Selbst in der Ära des groβen Klassizismus waren die Gemälde von Ateliers oft die Arbeit eines groβen Ateliers von Malern unter der Leitung eines Meisters. Jeff Koons hat nie ein Bild gemalt oder eine Skulptur gemacht. Er ist ein Designer. Er engagiert Dutzende von Künstlern zu einem Stundenlohn, um sie malen oder herstellen zu lassen. Warhols frühe Werke waren Kopien von Industrieprodukten. Seine späteren Werke waren Kopien von Kopien. Seine Serigraphien Gemälde, die falsch registriert waren., um den Eindruck von Einzigartigkeit zu erzeugen. Was ist mit Drucken? Serigraphie, Lithographie, Kupferplatten, Zinkplatten etc. Man kann sagen, dass sie individuell sind, aber das stimmt nicht. Jeder Druck hat perfekt zu sein. Diejenigen, die einmalig sind, sind oft Fehldrucke und werden ausrangiert.
    Meine Position ist, dass Digitaldrucke die Creation eines einmaligen Künstlers sind und nicht ein einmaliges Objekt. Der Fokus liegt nicht auf dem Gegenstand, sondern auf dem Künstler, der ihn gemacht hat. Es gibt auch ein Missverständnis über Bildpiraterie und Bildmanipulation durch Photoshop. Es gibt forensische Analytiker, die mittels einer Pixelanalyse sagen können, wie jeder Digitaldruck aufgebaut und verändert wurde. Mein Freund Peter Ciccariello, dessen Werke auf dieser Website zu sehen sind, ist ein Meister des Hyperrealismus in Digitaldrucken. Seine Arbeit ist voll und ganz digital. Seine Bilder sehen „alt - antik“ aus. Wenn Gila Paris ein digital manipuliertes Foto schafft, ist es ganz und gar nicht wie eins meiner Werke. Vergleichen Sie sie. Das Medium und die Kaprizen der Technik und die Anwendung sind interessant, aber für den Künstler vollkommen nebensächlich.

    by frank - 25.02.2008 14:31:17

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